Am 12. Januar 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 Haiti. Schätzungsweise drei Millionen Menschen waren betroffen, und über 100.000 verloren ihr Leben. In einem Workshop, der nach der Katastrophe eingerichtet wurde, kam der in Haiti aufgewachsene Jean Claude Michel erstmals mit der Fotografie in Berührung. Unter der Anleitung des Workshopleiters Frederic Dupoux verliebte sich Jean Claude schnell in Kameras.
Vor zwei Jahren, als er begann, Marketingkampagnen für eine Agentur in Haiti zu fotografieren, bemerkte er, dass weibliche Models vor der Kamera meist entspannter waren als Männer. Dies, so glaubte er, lag daran, dass männliche Models in Haiti oft für ihre Entscheidung, zu modeln, verurteilt und kritisiert wurden. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, beschloss Jean Claude, diese eindringliche Porträtserie zu drehen.
Er erklärt: "Ich wollte meiner Gemeinde zeigen, dass es menschlich ist, sich auszudrücken; es ist uns angeboren, glücklich, traurig, wütend und schön zu sein. Es ist ein echter Ausdruck des Selbst. Du bist, wer du sein willst, und die Gesellschaft hat kein Mitspracherecht dabei, wie du dich fühlen oder sein solltest. Ich wollte das Stigma um männliche Models und geschlechtsspezifische Emotionen aufheben. Ich hoffe, Licht auf die ironische Tatsache zu werfen, dass wir Haitianer vor 200 Jahren für uns selbst eingestanden sind. Wir waren Mann genug, um für unsere Unabhängigkeit zu kämpfen, und Mann genug, um Freiheit, Gerechtigkeit und Glück zu suchen; doch jetzt sind wir nicht Mann genug, unsere Gefühle zu akzeptieren, noch stark genug, um zu vergessen, was andere über uns denken. Ich hoffe, diese Bilder werden die Realität einfangen und dem Publikum die Wahrheit zeigen, wie sie wirklich ist. Sucht nicht nach Farbe, Geschlecht oder Sexualität, sondern sucht euch selbst."






Weitere Fotos von Jean Claude findest du auf seinem Instagram und Tumblr.